nachhaltige Vollbeschäftigung

Mit einer Arbeitslosenquote von rund 5%, einer Unterbeschäftigsquote von gut 7% und einem ausufernden Niedriglohnsektor haben wir trotz (noch) guter Konjunktur keine Vollbeschäftigung. Sollte die Sonderkonjunktur der letzten Jahre einbrechen, werden wir schnell auch wieder Massenarbeitslosigkeit haben, wenn wir strukturelle Probleme nicht angehen.

Wie können wir zu einer nachhaltigen Vollbeschäftigung kommen?

Auch Arbeitsangebot- bzw. nachfrage wird über den Preis gesteuert. D. h., auch bei Arbeit gilt grundsätzlich: geringerer Preis - höhere Nachfrage (mehr Arbeitsplätze).

Beweis ist die Lohnzurückhaltung in den 2000er Jahren und die Agenda 2010, die erstmals seit über 30 Jahren dazugefüht hat, dass die Sockelarbeitslosigkeit nicht weiter angestiegen ist (siehe Grafik). Damit dürfen wir uns jedoch nicht zufrieden geben. Leider wird die Rolle rückwärts der großen Koalition dazu führen, dass die strukturelle Arbeitslosigkeit in ein paar Jahren wieder höher sein wird als sie es ohne die neuen "Reformen" der großen Koalition der Fall gewesen wäre. Der Mindestlohn gefährdet Arbeitsplätze, deren Wertschöpfung unter dem Mindestlohn liegt. Elternrente (leider "Mütterrente" genannt), Rente mit 63 und ausbleibende nachhaltige Reform der Sozialversicherungen zu Bürgerversicherungen wird die Lohnnebenkosten erhöhen und damit die Arbeitsplätze von Normalqualifizierten gefährden.

Nun zurück zum Thema Vollbeschäftigung: Einfach Löhne runter, ist zu einfach gedacht:

Arbeit ist kein Gut wie jedes andere

  1. Wenn der Preis für Arbeit eine bestimmte Schwelle unterschreitet, ist der Lohn nicht mehr existenz­sichernd. Wenn ein Produzent von Smartphones unter einem gewissen Preis nicht mehr auf seine Kosten kommt, macht er seinen Laden dicht und der Marktpreis pegelt sich dort ein, wo der Markt geräumt ist (Nachfrage = Angebot) - ein ganz normaler markt­wirt­schaftlicher Vorgang. Wir wollen jedoch nicht - besonders in Europa -, dass Menschen in existenzieller Not leben müssen. Daher brauchen wir eine Lösung, wenn der Lohn, zu dem eine Beschäftigung statt finden würde, unterhalb dem soziokulturellen Existenz­minimums liegt.

  2. Der Staat kann (soll) durch Bildung, gute Infrastruktur, intelligente Sozial- und Wirtschafts­politik dafür sorgen, dass ein allgemein höheres Lohnniveau - und damit mehr Wohlstand - möglich ist. Dieser Staatseingriff ins Markt­geschehen bringt jedoch zwei Probleme mit sich:
    • Erstens hat ein allgemein höheres Wohlstands­niveau den "Nachteil", dass das soziokulturelle Existenz­minimum steigt und damit die Gefahr größer wird, dass geringer Qualifizierte mit ihren markt­gerechten Löhnen (zu denen sie Arbeit bekommen würden) unter dieses Niveau fallen.
    • Zweitens braucht der Staat für diese Politik Geld, was Arbeit (künstlich) verteuert. Hier muss der Staat aufpassen, dass er durch eine unsinnige Finanzierung nicht selbst Arbeitslosigkeit produziert.

 

Folgende Darstellung will die Antworten auf folgende Fragen geben:

Wie sieht vor diesem Hintergrund die Problemlage differenziert nach Art der Arbeitslosigkeit aus?

Welche Lösungsansätze werden diskutiert?

Wie sieht der optimale Lösungsmix aus?

 
strukturelle Arbeitslosigkeit
konjunkurelle Arbeitslosigkeit
 
Normalqualifizierte
Hochqualifizierte
Problemlage Infos dazu Infos dazu Hoch­qualifizierte - mit Qualifikationen, die wir auch brauchen -, haben am Standort Deutschland im Moment kein Arbeits­platz­problem.
Im Gegen­teil:  in ver­schiedenen Bereichen herrscht sogar Mangel an Hoch­quali­fizierten.

Die Finanz­krise 2007 mit der darauf folgenden Welt­wirtschafts­krise verursacht weltweit Arbeits­losig­keit.

Lösungs-
ansätze
Infos dazu Infos dazu

Ein Hochlohnland braucht hochqualifizierte Menschen. Nur, wenn es von ihnen genug gibt, ist auch ein gut ausgebauter Wohlfahrtsstaat nachhaltig finanzierbar, der auch weniger Qualifizierte mitnimmt.

Deshalb muss auf Bildung/Forschung ein Hauptaugenmerk der Politik liegen.

Es war völlig richtig auf den massiven weltweiten Nachfrage­einbruch - verursacht durch die Finanz­krise - mit Kon­junktur­paketen zu reagieren. Damit konnte eine Abwärts­spirale verhindert werden. Dies war tatsächlich ein "Keynes-Fall", der leider in der Ver­gangen­heit oft fälschlicher Weise aus­gerufen wurde.
wichtigste
Lösungen

Basissicherung + persönliches Zeitbudget unterm Mindestlohn + Sozialer Arbeitsmarkt

Kurzinfo dazu

(1) Reform der

Sozial­ver­sicherungen

 » Halbierung der Beitrags­sätze - klotzen nicht kleckern.

(2) Basissicherung

  Ohne bessere Ausnutzung der Humanressourcen durch eine bessere Bildung / Qualifizierung kann jedoch auch eine Soziale Basissicherung und Bürgerversicherungen nicht erfolgreich sein    

 

Strukturelle Arbeitslosigkeit gibt es auch aufgrund von Strukturwandel bzw. Strukturbrüchen. Wichtige Beispiele sind der Zusammenbruch der Wirtschaft in den ostdeutschen Ländern nach der Wende, der Strukturwandel in NRW durch den Niedergang von Kohle/Stahl oder der Porzelanindustrie/Texteilindustrie in bayerischen Regionen. Die hier vorgeschlagenen Reformen erleichtern auch den Strukturwandel; aber darüber hinaus braucht es sicher noch weitere Ansätze, um einen Strukturwandel positiv zu begleiten, die hier nicht thematisiert werden.

Weitere Schlüssel zur Vollbeschäftigung

Mittel

Instrument

Mehr Teilzeit (Mobilzeit) Basissicherung erleichtert Teilzeit
Mehr Eigenverantwortung, Risikobereitschaft, ständiges Lernen, weitere Flexibilisierung der Arbeitswelt etc. Basissicherung schafft dazu die nötige soziale Sicherheit

Steuervereinfachung schafft die entsprechenden Anreize.

Höhere wirtschaftliche Dynamik Steuervereinfachung (geringere Grenz­steuerbelastung, Menschen maximieren wieder ihr Einkommen bzw. Gewinn statt Steuer­ersparnisse), Bildung / Forschung, Reform der Sozialversicherungen, Basissicherung gibt die nötige Grundsicherheit
Tarifpolitik
  • Pakt für Arbeit: Senkung der Kosten der Arbeit für den Arbeitgeber um 20%-Punkte sollte nicht durch höhere Tarifab­schlüsse unterlaufen werden. Für Gering­qualifizierte müssen neue Vergütungs­gruppen geschaffen werden.
  • Bekämpfung der Tarifflucht der Arbeitgeber u.a. über erleichterte Allgemein­verbindlichkeits­erklärungen.
  • Zusätzliche tarifliche Einmal­zahlungen in Abhängigkeit vom Gewinn des Unter­nehmens.